„Salami-Hoffnung“

Salami-Hoffnung, die: Terminangabe(n), mit der engagierte Lehrkräfte der Schulleitung mitteilen, wann sie nach einer längeren Krankheit wieder anfangen wollen, in der Schule zu erscheinen und zu unterrichten. Achtung: nicht zu verwechseln mit der „Salami-Taktik“ (s. dort) 

Der Begriff entstand in einer morgendlichen Diskussion mit meinem Stellvertreter. (Hier an einem fiktiven Beispiel dargestellt). Es gab da einen Kollegen, der lange krank war aufgrund einer eher zunächst eigentlich harmlosen Verletzung. Wir nahmen ihn in der Vergangenheit stets als sehr zuverlässigen und engagierten Kollegen wahr. Seine Verletzung stellte sich in der Folgezeit jedoch als so langwierig heraus, dass er insgesamt mehrere Monate fehlen sollte. Was für eine ärgerliche Situation für den Kollegen!
Da er an einer anderen Schule bereits in der erweiterten Schulleitung war, wusste er, dass wir mit langfristigen Krankmeldungen gut oder sogar besser umgehen können, als mit kurzen. Denn bei einer langfristigen Krankmeldung kann ich mich um die Anstellung einer wie auch immer gearteten Vertretungslehrkraft kümmern.

Krankheitsbedingter Unterrichtsausfall: wird vertreten

Der Kollege meldete sich also für 2-3 Woche krank. Für eine relativ kurze Zeit, so dass wir in diesen Wochen „mit Bordmitteln“, also durch normalen Vertretungsunterricht der Kolleg/innen den Unterrichtsausfall würden auffangen können. Oder es muss eben leider die eine oder andere eine Randstunde ausfallen. Aber wenn es nur für ungefähr 14 Tage ist, dann schaffen wir das schon. Da ist ein Kollegium eine Schicksalsgemeinschaft und trägt Freud&Leid gemeinsam. Heute ich, morgen du. Vertretung zu machen, ist nie wirklich beliebt, aber Teil des kollegialen miteinander Arbeitens. Und von Seiten der Schulleitung organisiert man den Vertretungsunterricht, informiert Kollegen und Eltern und dann geht es ja weiter. Für 2-3 Wochen stellt man natürlich keine Vertretungslehrkraft ein!

Verlängerung(en)

Nach 18 Tagen dann eine Verlängerung. Leider eine blöde Diagnose und eine erneute Krankschreibung für zwei Wochen. Die Klassen, die auf den engagierten Lehrer warten, wurden vertröstet. Aber in zwei Wochen dürfte er ja wieder da sein. Davon könnten wir ja ausgehen. Denn „der will ja unterrichten, der unterrichtet so gerne, der bleibt keinen Tag länger zu Haus, als er muss!“.
Nach zwei Wochen eine neue Verlängerung bis zu den Ferien. Aber nach den Ferien – da geht es bestimmt weiter…  Leider dauerte es noch einige Wochen/Verlängerungen mehr, ehe der Kollege zurückkommen konnte.

Wie kommt das?

Gerade die optimistischen Lehrkräfte, die gerne unterrichten, betrifft diese „Salami-Hoffnung“! Denn es ist eben keine Taktik, um scheibchenweise eine möglichst lange Krankenzeit herauszuschinden, sondern es steckt der Wunsch dahinter, möglichst bald wieder da zu sein, mitzuhelfen und wieder im Klassenraum sein zu können.
Also setzt sich die Lehrkraft ein Ziel. Ein ehrgeiziges, mutiges, motivierendes Ziel:

„Wenn die Krankheit gut verläuft, dann könnte ich es schaffen, schon an folgendem Datum wieder in der Schule zu sein: __.__. 20__!“

Im Sinne des Erkrankten ist das die 100% richtige Strategie. Erst recht, wenn die Krankheit vielleicht noch schlimmer als eine kleine Verletzung ist. Genau dann braucht man ein Ziel, um weiterzumachen, um sich aufzuraffen, um zu trainieren oder die Reha konsequent anzugehen. Ich würde das auch so machen, wenn ich krank wäre.

[Nachtrag] Auch die Ärzte leisten ihren Beitrag, denn nahezu alle Ärzte schreiben ihre Patiententen für höchstens einen Monat krank. ich hab mich mal vor Monaten auf die Suche gemacht, aber keine gesetzliche Regelung gefunden, die das unterbinden würde. Aber vielleicht auch an dieser Stelle: Hoffen auf bestmögliche Genesung! Und danach dann nur vielleicht eine erneute Krankschreibung.

Wozu führt das?

In der Schule fiebern wir alle mit und wünschen einem erkrankten Kollegen, einer erkrankten Kollegin das Beste und die schnellste Genesung. Also wollen wir auch in der Schule glauben, dass es so schnell geht. Denn ein gesunder Kollege in der Schule, der gerne unterrichtet, das ist das, was man will. Also hofft man Stück für Stück, Scheibchen für Scheibchen mit dem Kollegen mit. Nimmt Krankmeldung um Krankmeldung entgegen. Und hofft weiter. Um es deutlich zu sagen, das ist von der erkrankten Lehrkraft und von Seiten der Schule zu jeder Seite im besten Sinne gemeint! Denn alle wollen, dass es schnell vorbei ist.
Also… stellt man keine neue Vertretung ein. Sondern organiert so, dass möglichst wenig Unterricht ausfällt und der anfallende Vertretungsunterricht inhaltlich irgendwie möglichst sinnvoll statt findet. Was zuweilen recht schwer ist.
Wüsste man zu Beginn, dass jemand 3 Monate ausfällt, dann würde es sich unmittelbar lohnen, eine fremde Person anzustellen, zu beschäftigen und einzuarbeiten. Aber das weiß man eben in solchen Fällen nur selten. Zum Glück treten diese Fälle selten auf.

Problem-Abhilfe?

Schwer. Denn ich will am Anfang nicht mit einem schlechten Verlauf der Krankheit planen. Also mache ich die „Salami-Hoffnung“ mit und nehme jede einzelne Krankmeldung „bis zum …“ ernst und verteidige das vor den Schülern und Eltern. Dann sage ich, dass mir eine Krankmeldung bis zum Termin vorliegt und ich hoffe, dass der Kollege dann wiederkommt.

Ich kann auch versuchen, das Kollegium für das Thema zu sensibilisieren, ob frühzeitig eine längerfristige Krankmeldung mitgeteilt werden kann, falls man erkranken sollte. Allerdings in der Situation selbst, also wenn die Erkrankung da ist, dann vergessen vor allem die richtig engagierten Lehrer/innen dieses Thema und hoffen auf schnelle Genesung. Zu Recht und mit meinem vollsten Verständnis. Hm.

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