Morgenroutinen als Schulleiter

Man muss das Unvorhergesehene, das Unerwartete und die spontane Reaktion mögen als Schulleiter. Denn eigentlich jeder Tag hat eine neue Überraschung parat. Das macht einen Teil dessen aus, was diesen Beruf für mich so schön, so besonders macht. Und gerade weil die Tage so unerwartet verlaufen können, ist mir der geordnete Start in den Tag  wichtig. Wie sehen meine morgendlichen Abläufe aus?

(Aufstehen, Bewegung, Duschen, Müsli, Tee, Autofahrt. Erste Gedanken auf der Fahrt.)

Erster Kontakt

Auf dem Weg über den Parkplatz, den Schulhof schaue und höre ich. Gibt es erste aufgeregte Stimmen? Ist alles sauber, aufgeräumt, wie sieht der Schulhof und das Gebäude aus, aus, wer grüßt (auf welche Weise), wie schnell oder langsam gehen die Menschen? Der erste Eindruck der Schule geht gedanklich schnell unter, wenn nichts besonderes dabei ist.
Dann direkt ins Sekretariat, die Mitarbeiterinnen kurz begrüßen und anschließend in mein Büro.

Mein Büro

ich mach das Licht an, öffne beide Zugangstüren (damit meine Anwesenheit sichtbar ist) und stelle den Rechner an, damit der „in Ruhe“ hochfahren kann. (In diesem Jahr gibt es endlich einen neuen, der hoffentlich schneller ist.) Tasche ablegen, Jacke aufhängen, Kaffeebecher bereitstellen und einen kurzen Blick in die Mails werfen: ist irgendetwas im Mail-Postfach, das unmittelbare Aufmerksamkeit verlangt? (Das ist sehr selten der Fall.)

Manchmal ergibt sich dann aufgrund der offenen Türen ein schnelles Gespräch mit irgendjemandem, der gerade vorbeirauscht und „nur noch mal eben!“ etwas abstimmen oder mitteilen möchte: Lehrer, die vor der ersten Stunde noch etwas auf dem Herzen haben oder ein Hausmeister. Fast nie ein Schüler oder Eltern, verständlicherweise.

Die erste Stunde

Vor einigen Monaten war Christian Füller (@ciffi und Pisaversteher) bei uns in der Schule. Ich erzählte ihm in Auszügen von der Morgenroutine und der ersten Stunde. Er wollte das gar nicht glauben: „an jedem Morgen eine Stunde mit deinem Stellvertreter?“ – ja, an jedem Morgen:
Mein Stellvertreter kommt pünktlich zum Stundenbeginn ins Büro und wir schenken uns (mehr oder weniger wortlos, schließlich sind wir Norddeutsche…) den ersten Kaffee ein. Diese erste Stunde gehört uns und in der Regel auch nur uns. Störungen oder andere Gesprächsteilnehmer lassen wir nur ungern zu. Denn in dieser ersten Stunde besprechen wir alles, was uns wichtig ist.

Ablauf

Wir haben durch Versuch, Irrtum und Reflexion herausgefunden, dass der folgende Ablauf für uns gut funktioniert:

  1. Krankenstand, Vertretungsplan: wer ist neu erkrankt, was machen die längerfristig erkrankten Kollegen, wie sieht der Vertretungsplan aus?
  2. seine Themen: was ist ihm heute wichtig?
  3. meine Themen:  was ist mir heute wichtig?

Wenn dann die erste Stunde noch nicht vorbei ist, beenden wir unsere Besprechung vorzeitig oder trinken noch einen Kaffee. Privates kommt auch dann extrem selten zur Sprache.

Themen

Wir tauschen uns über eigentlich alles aus, was jeder von uns beiden in der Schule erlebt, entschieden oder geplant hat. Ziel ist, dass wir bestmöglich wissen, was der andere tut oder denkt. Wir wollen in den großen Fragen gemeinsam vorgehen, d.h. einig handeln. Es geht uns auf keinen Fall darum, in jedem Punkt gleicher Meinung zu sein. Ja, wir müssen uns zuweilen gegenseitig ermahnen, uns auch wirklich deutlich die Meinung sagen, wenn einem von uns eine Entscheidung des anderen nicht gefallen hat. (Ein Entwicklungsfeld, das uns bewusst ist.)
Wir stellen uns Pläne oder Ideen vor, stimmen Ansprachen für das Kollegium ab („kann man das so schreiben/sagen? ist das verständlich?“), rufen Themen noch einmal in Erinnerung oder beenden lose Gedankenfäden.
Manchmal geht es auch nur darum vom anderen ein Kopfnicken zu bekommen: „Sag mal, hab ich das so richtig gemacht?“ und dann geht es zum nächsten Thema.

Noch ’n Kaffee oder los?

Wie entscheiden wir uns, wenn wir mit den Themen durch sind? Sollte ich schätzen, würde ich sagen, dass wir in der Hälfte aller Tage die vollen 45 Minuten benötigen und in der anderen Hälfte früher fertig sind. Und davon wieder die Hälfte, also in einem Viertel der Tage beenden wir dann und jeder geht an seinen Arbeitsplatz. Am Schluss bleiben dann wenige Tage, an denen wir auch noch wenige Minuten über Sonstiges, Abseitiges oder das Handballspiel von gestern Abend sprechen.

Dann kann der Tag mit seinen Unwägbarkeiten kommen.

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