Überlagerungen

Wo blicke ich hin, wenn ich einen Jahresrückblick mache?
So ein Schuljahr ist lang und es passieren in der Schule täglich kleine und große Geschichten. Manche sind schön, manche sind ärgerlich, einige leicht, andere anstrengend, viele schwierig. Wohin also blicken? Was definiert ein Schuljahr im Rückblick?

Bei uns gibt es eine besondere Schulchronik. (Davon berichte ich ein anderes Mal) In meinem Teil, den ich schreibe, wollte ich auf die besonderen Momente, die Meilensteine zurückblicken. Aber als ich mich hinsetzte, fiel es mir schwer, vom (aktuell anstrengenden) Tagesgeschäft abzusehen. Die derzeitigen „dicken Brocken“ trübten meinen Blick. Es gibt so viele noch ungelöste Diskussionen/Fragestellungen, schwerwiegende Fragen der Schulentwicklung, gerade einige unzufriedene Kolleg/innen, undundund.  Es ist alles so schwierig. Und überhaupt: das ganze Schuljahr war nicht gut.

WRückblickill ich das wirklich in die Schulchronik schreiben? Ist das mein Blick auf die Schule in diesem Schuljahr?
ich legte die Chronik zur Seite und wartete einzwei Tage, ob sich meine Sicht ändern würde. War das nur eine Laune des Tages?

Um gedanklich wieder den Einstieg zu finden, klickte ich mich durch die Presseartikel, die über die Schule seit August letzten Jahres erschienen waren. Da war doch ein Siegel für die Schule! Ein Bericht über eine Schulkonferenz! Eine tolle soziale Aktion kurz vor Weihnachten! … und wie ich so durch die Dateien aus den Zeitungen klickte, erinnerte ich mich an Gespräche, kleine Erfolge, Lachen, Vereinfachungen. – Mit etwas Abstand wurde mir klar: mein aktueller Blick überlagerte den Blick auf das große Ganze.

In dieser Schule sind knapp 800 Schüler/innen, circa doppelt so viele Eltern und 65 Lehrer/innen. In der Schulleitung kommen im Alltag vor allem die Dinge an, die schlecht laufen, die nicht gut sind und vor allem: die großen Probleme. Es ist also mit dem Jahresrückblick wie mit dem Tagesrückblick. Nur weil ich mich einen Tag lang mit einem kräftigen Streit unter zwei Schülern beschäftigt habe, ist am Ende des Tages nicht „die ganze Schule im Chaos“. Nur weil mir in der aktuellen Woche dicke, fast unlösbare Aufgaben (waren es drei? vier?) auflauerten, ist nicht der ganze Monat schlecht gelaufen. Und nur weil mir nicht spontan die Highlights des Schuljahrs einfielen, ist auch das Schuljahr nicht verkorkst.
Nein, ganz im Gegenteil. Es war ein wirklich gutes, erfolgreiches Jahr.

Es braucht zuweilen die bewusste Umwendung des Blicks. Die Reflexion, ob das Aktuelle nicht den Blick auf das Vergangene überlagert. Am Ende des Tages, der Woche. Und am Ende des Schuljahres.

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