Rosa/Buhren/Endres: Resonanzpädagogik und Schulleitung (Rezension)

13. März 2018 § 0 Kommentare

Schon seit einiger Zeit schaue ich gern in die Bücher von Hartmut Rosa. Der Soziologe hat nach seinem großen Buch Resonanz bereits zwei Veröffentlichungen im pädagogischen Bereich: „Resonanzpädagogik“ und das Kartenset „Resonanz im Klassenraum“.
Nun ist ein drittes erschienen: „Resonanzpädagogik und Schulleitung – Impulse zur Schulentwicklung“.

Das Buch ist als Dialog verfasst, den Hartmut Rosa mit dem Professor für Schulsport und Schulentwicklung Claus G. Buhren gehalten hat. Moderator und Impulsgeber dieses Treffens ist Wolfgang Endres, der u.a. als Autor, Referent in der Lehrerfortbildung und Koordinator des BELTZ-Kongresses arbeitet.
Im Sommer 2017 haben sich Rosa und Buhren getroffen, um in einen Gedankenaustausch über die Resonanztheorie und die Schlussfolgerungen für die Praxis zu treten. Im Zentrum stand die Frage

Bietet die Resonanzpädagogik Schulleitern neue Impulse für die Schulentwicklung?

Das Buch ist nach dem Prolog, in dem beide unabhängig voneinander antworten, in acht Kapitel, einen Epilog und ein Glossar gegliedert. Die Kapitelüberschriften lauten:

  • Kompetenz und Resonanz im Dialog
  • Schule als Attraktionsort
  • Resonanz in der Öffentlichkeit
  • Resonanzpädagogik & Inklusion
  • Das Kollegium im Resonanzmodus
  • Evaluation und Fehlerkultur
  • Feedback & Vertrauen
  • Veränderungen im digitalen Zeitalter

Das ausführliche Inhaltsverzeichnis befindet sich: hier.

Das Kapitel „Das Kollegium im Resonanzmodus“ ist mit 22 Seiten das umfangreichste. Der Buchsatz ist großzügig und das Buch ist (wie auch das vorherige Buch „Resonanzpädagogik“) schön gestaltet.

Die Gesprächsteilnehmer

Im Buch treffen zwei sympathische, äußert kompetente Experten aufeinander, die auf gelingende Schule von unterschiedlichen Seiten schauen. Hier der Soziologie-Professor mit übergroßen theoretischem Konzept, dort der Schulentwickler mit vielen praktischen Fragen. Ideen, Antworten, Fragen, theoretische Gedanken wechseln sich in diesem Gespräch auf beiden Seiten ab. Zwischendrin führt Wolfgang Endres das Gespräch durch kleine Impulse oder Zusammenfassungen fort und weiter.

Resonanz und/oder Schulentwicklung

Auf Seite 47f. liefert Rosa eine kurze Zusammenfassung eines Resonanzgeschehens mit seinen mindestens vier Kriterien:
– Affizierung
– Erfahrung von Selbstwirksamkeit
– Transformation, Veränderung
– Unverfügbarkeit, Ergebnisoffenheit

Im guten Sinne „streiten“, diskutieren dann beide darüber, ob Resonanzpädagogik die richtige Folie ist, vor der sich Schulentwicklung darstellen lässt. Die schulischen Themen zwischen Personal-, Organisations- und Unterrichtsentwicklung werden daraufhin abgeklopft, ob die Resonanztheorie und ihre Begriffe helfen können.

Ein Beispiel: vom Begriff der Unverfügbarkeit gelangen die beiden über den Vorwurf der „Beliebigkeit“ (Buhren), einem kurzen Abschnitt über Kompetenzen in Mathematik und Deutsch zur Inklusion und zu den grundsätzlichen Aufgaben der Schulleitung, die die beiden auf unterschiedliche Weise sehen. In ihrem Gespräch geht es manchmal abstrakt und manchmal ganz handfest-konkret zu: So sprechen beide über Widerstände gegen kollegiale Hospitationen, Handlungsoptionen, wenn die Kollegen gut gelaunt über Unterricht plaudernd („mit Kaffeebecher in der Hand“) den pünktlichen Unterrichtsbeginn übersehen, das Für&Wider der Schulpreise, Humor als bewusstes Kommunikationsmittel, …

Beide Personen sind keine Schulleiter. Doch beide haben einen guten Blick auf die Belange und Nöte in diesem Beruf (sofern ich das beurteilen kann). Durch das Gespräch geht es im Buch unmittelbar und direkt zu. D.h. hier gibt es zwar kurzfristige Dissenzen in den Begriffen, aber die beiden verhandeln und suchen nicht die eine, die richtige Definition. Ihnen ist ganz im Sinne der Resonanztheorie das Zuhören, ein Verstehenwollen, das wechselseitiges Mitschwingen wichtig.

Epilog

Im Epilog gesteht Buhren der Resonanztheorie zu, einen Referenzrahmen für Schulentwicklung zu liefern und somit Anregungen für einzelne Prozesse von Schulentwicklung geben zu können. Hartmut Rosa wiederum erkennt an, dass er mit seinem Ansatz keinen Fahrplan im Sinne von „in sieben Schritten zur resonanten Schule“ liefern kann. Aber dass Resonanzpädagogik sehr wohl

„…als eine Art von Kompass dienen kann, der einer Schulleitung einen Sinn dafür gibt, in welche Richtung Schule sich entwickeln kann […] (und) wie sich dieser Richtungssinn unterscheidet von einem kennziffergesteuerten Umbau von Schule. […]
ich plädiere (…[zudem, T.O.]) für eine Haltung, die sich eher in den Begriffen des Hörens und Antwortens zum Ausdruck bringt.“ (S. 123)

Ein zweiseitiges Glossar mit acht Begriffen der Resonanztheorie schließt das Buch ab.

Fazit

Das gut lesbare, inspirierende Buch hat 120 Seiten und ist ein Buch, das vielleicht für das zweite Wochenende in den Ferien passt. Dann, wenn Zeit und Muße ist, über das eigene Handeln nachzudenken und Anregungen für das Grundsätzliche zu gewinnen.
Erschienen ist es im Beltz-Verlag und kostet bei Amazon 19,95€.

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