H. Klippert: Unterrichtsentwicklung – aber wie? (Rezension)

Heinz Klippert – dieser Name klingt. Neben Schulungen und päd. Konzepten sind es die bekannten Bücher „Methodentraining“, „Teamentwicklung im Klassenraum“ und „Kommunikationstraining“ aus den 90ern, die den ehemaligen Lehrer und Dozenten bekannt gemacht haben. Ja, der Autor ist mittlerweile so bekannt geworden, dass in einigen Schulen das Verb „klippern“ Einzug gehalten hat, um deutlich zu machen, dass man Klipperts Ansatz verfolgt.

Sein neues Buch trägt den vollmundigen Titel „Unterrichtsentwicklung – aber wie? / Erprobte Ansätze und Strategien“ und ist gerade im Beltz-Verlag erschienen.

Das Buch „Unterrichtsentwicklung – aber wie?“ gliedert sich in vier große Teile:

  1. Reformgeist muss sich bilden
  2. Ein Reformprogramm entsteht
  3. Ermutigende Lern- und Evaluationsergebnisse
  4. Das Reformprogamm im Spiegel der Presse

Während der Buchrücken einen Einblick in gelingende Unterrichtsentwicklung verspricht, dreht sich das Buch vor allem um die Entwicklung des Autors und seiner Ansichten zu seinem Ansatz der Pädagogischen Schulentwicklung.

Die einzelnen Teile: Der erste Teil ist ein Interview mit dem Autor, das vor allem die Biografie Heinz Klipperts erhellt. Wie haben sich die Gedanken des Autors im Laufe des Lebens entwickelt?

Im zweiten Teil „Ein Reformprogramm entsteht“ zeigt Klippert, wie aus seiner Sicht die einzelnen Bausteine seines Wirkens in Lernspiralen und dem Programm der „Pädagogischen Schulentwicklung“ (PSE) gipfeln. Die einzelnen Abschnitte sind gut erklärt, leider stören die Rückverweise, dass der Autor „ja bereits in den 80ern erkannt hatte“ den Lesefluss. Hier wäre eine reine Darstellung des PSE-Konzepts zielführender gewesen. In der Mitte des Buches liegt dann das eigentliche Buchthema im Kapitel II.5 „Unterrichtsentwicklung als Schulprogramm“ auf knapp dreißig Seiten vor. Die sieben Kardinalziele der PSE sind (an anderer Stelle „Kernziele“): Intensivierung des fachlichen Lernens, Verbesserung der soz. Integration der SuS, Entlastung der Lehrkräfte, Schaffung veränderter Lehr- & Lernbedingungen, Förderung der Lehrerkooperation, Systematisierung der Innovationsarbeit, Evaluation & Dokumentation. 17 Seiten später sind es dann leicht verändert 10 Ziele, die das PSE hat.

Der dritte Teil sichtet dann Evaluationsergebnisse, die die Wirksamkeit des vorgestellten Ansatzes belegen sollen. Zunächst werden Ergebnisse einer Schülerbefragung aus 2002 vorgestellt, in der knapp 2000 nach Klippert geschulte Schüler sich selbst überwiegend sichere Methodenbeherrschung bescheinigen. Etwas merkwürdig mutet dann der Versuch an, die „positive Korrelation von Methodenschulung, spiralförmigem Arbeiten und fachspezifischen Lern- und Behaltenserfolg“ über eine Examensarbeit einer Referendarin mit 12 Leistungskursschülern im Fach Biologie zu untermauern. Dass 5 der 12 Schüler die Note sehr gut erhalten, mag in einem „differenzierten Leistungstest“ für die junge Lehrkraft im Vorbereitungsdienst sehr schön sein. Für die Wirksamkeit des Klippertschen Ansatzes ist das allerdings etwas dünn.

Natürlich darf auch John Hattie in diesem Abschnitt nicht fehlen. Dabei wird Hattie jedoch aus einer so großen Flughöhe betrachtet (und nicht im Original zitiert, sondern nur im guten Übersichtsartikel von Höfer/Steffens), dass damit recht viel gezeigt werden kann. Schließlich noch einige Querverweise aus der Gehirnforschung (Spitzer, Hüther, Roth) und Handlungstheorie und Intelligenzforschung – et voilá: alles ist in Resonanz zum verfolgten Konzept mit PSE und Lernspiralen. Der dritte Teil des Buches endet mit den Worten

„Mit diesen forschungsbasierten Klarstellungen und Anregungen unterstreicht er [Weinert] gleich zweierlei: einmal die Aspektvielfalt guten Unterrichts, zum Zweiten die Richtigkeit und Wichtigkeit des im Buch entfalteten Innovationsprogramms.“

Im vierten und letzten Teil werden schließlich 5-14 Jahre alte unkritische Presseartikel aus überregionalen Zeitungen und Magazinen zitiert, die im Wesentlichen die Begeisterung von Lehrkräften beim „klippern“ widerspiegeln.

Fazit: Wer Anregungen von Klippert zu Methoden, Lehrerentlastung, Kommunikationstraining oder Teamentwicklung im Klassenraum sucht, der sei auf die in der Einleitung genannten Bücher des Autors verwiesen. Der Autor sichtet mit diesem Buch sein Lebenswerk und stellt seinen persönlichen roten Faden der Erkenntnis im biographischen Rückblick vor. Fast mutet es wie eine Rechtfertigung an. Die Leistungen und Impulse des Autors für die Schulentwicklung im deutschsprachigen Raum sind unbestritten, die Zielgruppe für dieses Buch bleibt offen. Das Buch hat 256 Seiten und kostet €24,95.

Bemerkenswert ist ein vierstrophiges Gedicht, das unter der Widmung auf der ersten Seite steht und mit den Worten endet:

[…]

Wer anstößige Bücher zu schreiben wagt,
der hat am Ende zumindest die Gewissheit,
dass die Alternativen auf dem Tisch liegen.

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