Wie wird man Schulleiter?

Wie wird man eigentlich ein Schulleiter?
Um es kurz zu machen: es schadet nicht, wenn man vorher ein guter Lehrer gewesen ist.

Der Reihe nach: Sachsen vermeldete vor ein paar Tagen, dass bis 2014 unglaubliche 500 Schulleiter-Stellen neu besetzt werden. Daher setzt man ein Förderprogramm auf, um geeignete Personen zu finden. Ähnlich offensiv hatten sich zum Schulleitermangel bislang nur Rheinland-Pflaz 2008 und Hessen 2010 geäußert. Einen Überblick über die Situation in den Bundesländern gibt die Zeitschrift Beruf-Schulleitung, Ausgabe 02/2010 (PDF) auf S. 20.
In einigen Ländern ist an bestimmten Schultypen sogar Überschuss – an Grundschulen herrscht im Wesentlichen eher Mangel.

Über die Länder hinweg, an dieser Stelle also etwas allgemeiner, gibt es eine „typische“ Karriere eines Lehrers hin zur Stelle eines Schulleiter oder Schulleiterin:

1. Die Person war einige Jahre lang Lehrer. Das „einige Jahre“ lässt sich nur schwer beziffern.
2. Die Person bewirbt sich auf eine Funktionsstelle in der Schule, also z.B: Stufenkoordination, Mittelstufenleiter, stellvertretende Schulleitung. Kein Muss, aber ein häufiger Weg. Hierfür gibt es je nach Bundesland abstimmte Verfahren, in denen der Bewerber seine Qualifikationen und auch Unterrichtserfahrung nachweisen muss. Je nach Funktionsstelle wird dann die Unterrichtsverpflichtung reduziert, um die zusätzlichen Verwaltungsaufgaben auszugleichen.
3. Die Person besucht Fortbildungen oder neu: belegt ein Schulmanagement-Studium. (Der passende Artikel zum Thema Schulmanagement ist schon im Entwurfs-Ordner.) Ebenfalls: je nach Bundesland verbindlich oder einfache Zusatzqualifikation.
4. Viele Bundesländer bieten „Orientierungskurse“ an, also Seminare, in denen man seinem Interesse und den eigenen Fähigkeiten bezogen auf eine Schulleiterstelle auf den Grund gehen kann.
5. Die Person bewirbt sich auf eine freie Stelle einer Schule, inkl. dienstlicher Beurteilungen. Je nach Bundesland gibt es unterschiedeliche Wahl- bzw. Besetzungsverfahren. Häufig gibt es einen Wahlausschuss, vor dem man sich und seine Ideen für die Schule präsentieren muss.
6. In der Rolle des Schulleiters folgen dann üblicherweise Einführungsfortbildungen oder begleitende, unterstützende Maßnahmen.

Um dem Lehrer- und Schulleitermangel abzuhelfen, überlegt man in Zürich derzeit sogar, Menschen ohne Lehrerdiplom als Schulleiter zuzulassen. Zudem werde man die Unterrichtsverpflichtung für Schulleiter komplett abschaffen. Auch ein Modell für Deutschland?

4 Gedanken zu „Wie wird man Schulleiter?“

  1. Eine Frage wird sein, welche Zugänge es zukünftig zum Schulleiterberuf gibt. Hier gibt es sicher viele gelingende Modelle. Die andere zentrale Frage wird sein, wie man den Beruf attraktiv gestaltet. Dies betrifft nicht nur monetäre Aspekte, sondern auch künftige Strukturen von Schulsystemen und wie sehr auch fremde Professionen außerhalb pädagogischer Kontexte ihren Platz in Schule finden. Dies ist angesichts der komplexen Organisations- und Managementaufgaben mehr als gerechtfertigt und würde Schulleitungen entscheidend entlasten, vielleicht den Job attraktiver für den Nachwuchs machen. Die Frage ist, ob Bildungsbürokratie den Mut dazu haben wird.

  2. @Jan: Ja, bei solchen Veränderungen ist Mut gefragt. Man müsste mal jemanden sprechen aus der Bildungsbürokratie, wie die darüber denken! 😉 – Kannst du Modelle (oder Fundstellen) für solche gelingenden Modelle nennen?

  3. So ganz stimmt diese Information nicht. Um Schulleitung zu werden muss man bei jedem Etappenziel (erst stellv. Schulleitung, dann Schulleitung) Revisionen ablegen. Das sind umfängliche Prüfungen. Abgenommen werden sie vom Schulamt und der Bezirksregierung. Mit zur Prüfung gehören umfängliche schriftliche Ausarbeitungen zu pädagogisch relevanten Themen, die in Unterrichtsstunden und einer Konferenz enthalten sein müssen. Außerdem wird in einem mind. 2st. Kolloquium das Fachwissen geprüft.
    Also, man wird nicht mal eben so nebenbei Schulleitung!

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