„Empirische Bildungsforschung“ von B. Spinath (Rezension)

Das Buch „Empirische Bildungsforschung – Aktuelle Themen der Bildungspraxis und Bildungsforschung“ von Birgit Spinath, ist im Springer Verlag erschienen und vermittelt mit Titel und Aufmachung nicht das, was es ist: eine gut lesbare, interessante Einführung in unterschiedliche aktuelle Bildungsthemen.

Das Buch „Empirische Bildungsforschung“ ist in unterschiedlicher Hinsicht innovativ und anders, als andere Bücher in diesem Segment. Das betrifft:

die Entstehung, die inhaltliche Vielfalt, die verständliche Darstellung, das verlinkte Begleitmaterial.

Entstehung

Entstanden ist das Buch in zwei Seminaren der Heidelberger Professorin für Päd. Psychologie Birgit Spinath. Die Studierenden haben sich in die Themen eingearbeitet, Interviews vorbereitet, mit anerkannten Experten Gespräche geführt und diese dann transkribiert.

Inhalte

Die Inhalte sind breit gestreut und die befragten Experten auf ihrem Gebiet anerkannt. Jede Thema ist mit einer meist provokanten Titelfrage zugespitzt überschrieben. 10 Kapitel sind in drei Bereiche unterteilt.

Bildungsqualität von Schule
1. Sind Jungen die neuen Bildungsverlierer (Fragen an Ursula Kessels)
2. Hat PISA die Schulen besser gemacht? (Petra Stanat, Hans Anand Pant)
3. Sind Lehrerinnen für die „Bildungskrise“ der Jungen verantwortlich? (Martin Neugebauer)
4. Brauchen wir eine neue Unterrichtskultur? (Mareike Kunter)
Soziale Ungleichheit
5. Wie können wir die Ursachen sozialer Ungleichheit verstehen? (Martin Diewald, Rainer Riemann)
6. Werden die Deutschen immer dümmer? (Elsbeth Stern)
7. Wie stark trägt das gegliederte Schulsystem zur sozialen Ungleichheit bei? (Ulrich Trautwein)
8. Was sind die Kosten versäumter Bildungschancen? (C. Katharina Spieß)
Qualität hochschulischer Bildung inkl. Lehrerbildung
9. Nach der Bolgna-Reform: was bedeuten die neuen Studiengänge für die Qualität der Hochschullehre?
10. Entscheiden sich die Richtigen für ein Lehramtsstudium – und wer sind die Richtigen?

Darstellung

Jedem Kapitel ist eine halbe Seite Einleitung plus erste Referenzen vorangestellt. In diesen Texten erläutert die Herausgeberin die Bedeutung des Themas und stellt den befragten Experten kurz vor. Die jeweiligen Interviews durch die Studierenden beginnen stets mit einer persönlichen Frage, z.B. wie die Professorinnen und Professoren zum Thema gelangt sind oder welche persönlichen Erfahrungen aus ihrem Leben sie mit ihrem Feld verbinden.

Allen Interviewern und Interviewten gelingt es, die Themen im Gespräch verständlich aber zugleich noch sehr differenziert darzustellen. Auch wird im Transkript auf weiterführende Literatur hingewiesen, die am Ende jeden Kapitels gelistet ist. Alle Interviews sind separat lesbar, zahlreiche Querverweise machen neugierig auf die jeweils anderen Kapitel. Angereichert sind die Interviews mit Info-Boxen, Grafiken oder Tabellen. Wenn man (auf hohem Niveau) etwas am Buch aussetzen will, dann nur über ein fehlendes Glossar, dass die in den Grafiken und Tabellen verwendeten Fachbegriffe wie Standardabweichungen, Spannbereiten, Standardfehler oder signifikant erläutert. (Aber wo soll man da anfangen und wo aufhören?)
Während einige Interviewer ihren Fragekatalog deutlich abarbeiten, haben einzelne Studierende auch Nachfragen gestellt. In allen Fällen ist jedoch die intensive Vorbereitung der Studierenden auf das Thema und die zugewandte, freundliche Antwortstil der Professorinnen und Professoren spür- auch erlebbar:

Begleitmaterial

Denn als weitere Besonderheit sind alle Interviews als Videos oder Audio-Aufnahmen mit einer Internetadresse und als QR-Code verlinkt, d.h. sie können nachgesehen oder nachgehört werden. Auch wenn die Qualität (und der Schnitt und das Videoformat) sichtbar nicht von Profis stammt: egal, denn DAS ist mal wirklich gutes Begleitmaterial.

Fazit: Es ist eines der wenigen Male, dass man den ankündigenden Text des Verlags auf der Buchrückseite zitieren kann, ohne rot zu werden (weil er stimmt): „Das Buch kann von allen gelesen werden, die sich für Bildung interessieren. […] Durch den Interview-Stilist das Buch angenehm zu lesen und daher auch als Freizeitlektüre geeignet.“ So ist es.
Das Buch „Empirische Bildungsforschung“ von Birgit Spinath hat knapp 160 Seiten, ist im Springer Verlag erschienen und kostet bei Amazon oder im Buchhandel 24,99€.

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