Zugänge zum Schulrecht

Schulrecht wird erst dann spannend, wenn man persönlich betroffen ist.
Oder??
In meinem Referendariat wurden schulrechtliche Fragen lange, lange von der zuständigen Studienleiterin (im Bereich Pädagogik) verschoben, bis wir schließlich an ein paar Nachmittagen kurz vor dem Examen ein paar Fälle und Erlasstexte durchkauten. Systematisch? Nachhaltig? – ich will es ihr gar nicht verübeln, dass sie Schwierigkeiten hatte, uns die Bedeutung und die wichtigen Grundlagen des Schulrechts zu vermitteln. Denn als Lehrerin hatte sie (natürlich) nicht Jura studiert. Als Laie kann man in diesem Gebiet nur schlecht aussehen.
Aber wie sagt der Volksmund so schön treffend und richtig?

„Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“ (Und hier hat er Recht…) Eben. Und nach ein paar Jahren im Kollegium hab ich mich dann endlich etwas mehr reingefuchst. Etwas neidisch schaute ich damals auf die Referendare meiner Schule, die sich für ein halbes Jahr eine Stunde pro Woche zusammengesetzt hatten und sich untereinander fit gemacht haben. Zur gleichen Zeit durfte ich unterrichten, sonst hätte ich mich gern dazugesetzt.
Die Zahl der Bücher zum Schulrecht ist gefühlt überschaubar. Ich habe mich dem Thema auf vier Wegen genähert:

– SchulRecht! (2 Bücher von Günther Hoegg)
Schulrecht (Buch von Hermann Avenarius)
Grundkurs Schulrecht (Buchserie)
und sonst noch

SchulRecht! von Günther Hoegg
Günther Hoegg dürfte einer von den ganz wenigen schulischen Zwitterwesen sein: Er ist promovierter Jurist und gleichzeitig Lehrer/Lehrerfortbildner. Seine Bücher „SchulRecht! Aus der Praxis für die Praxis“ und „SchulRecht! für schulische Führungskräfte“ sind sehr gute Einführungen. Aber es sind keine systematischen Bücher. Hoegg nennt es ein kleines „Multitool„, d.h. ein mehrfunktionales Taschenmesser, mit dem man recht viele kleinere Dinge erledigen kann. Für die dickeren Bretter muss man dann richtiges Werkzeug wählen.
Und ich kann sagen, dass mir beide Bücher den Einstieg ins Thema schmackhaft gemacht haben. Vor allem das Praxisbuch erlaubt es einem Lehrer, der noch nie in die juristische Fachsprache eingestiegen ist, sich den Begriffen und Denkweisen zu nähern. Denn Hoegg spricht den Leser direkt an, ja er plaudert mit ihm und vermischt die Inhalte zuweilen mit privaten Einschätzungen.
Das Buch für schulische Führungskräfte ist da etwas knapper im Ton, aber immer noch angenehm zu lesen.
Fazit: Wer neu ins Thema hinschaut, ist mit dem Praxisbuch gut versorgt. (Es ist ca. 200 Seiten dick und kostet €24,95.) (Angehende) schulische Führungskräfte sollten das zweite Buch wählen, dass auf andere Themen blickt und sich mit dem ersten Buch v.a. in der Einleitung, den Grundlagen und den Fragen zum Urheberrecht überschneidet. (Bei Amazon kann man die Inhaltsverzeichnisse ansehen.) Das Buch für Führungskräfte kostet ebenfalls €24,95 und ist einige Seiten dicker.

Schulrecht von H. Avenarius
Avenarius hat den dicksten Schinken, das größte Kompendium auf diesem Gebiet geschrieben. „Schulrecht: Ein Handbuch für Praxis, Rechtsprechung und Wissenschaft„. Der Titel deutet an, dass hier gründlicher, ausführlicher und systematischer gearbeitet wurde. Mit einem ganz anderen Anspruch als Hoegg ist Avenarius‘ Buch etwas für die Schulleitung oder für Fachexperten. Der differenzierte Blick in die Bundesländer und die ausführliche Darstellung macht dieses Werk nicht uninteressant. (Ja, der Bildungsföderalismus zeigt sich natürlich hier in seiner vollen Pracht.) Ich habe mit diesem Buch nur vereinzelt gearbeitet, um etwas nachzuschlagen. Dieses Buch liest man normalerweise nicht von vorne bis hinten durch. Es in Zweifelsfällen zu Rate ziehen zu können, mag auch für den juristischen Normal-Laien sinnvoll sein.
Auf der Seite des Verlags ist eine ausführliche 4-seitige Rezension zu finden, die diesem Werk mehr gerecht wird, als meine paar Zeilen.
Es umfasst knapp 800 Seiten, ist im Dezember 2010 in der 8. Auflage erschienen und kostet immerhin €68,-.

Grundkurs Schulrecht
Zum „Grundkurs Schulrecht“ gibt es mehrere Bände, die sich auf kleinem Umfang mit schulrechtlichen Fragen einführend befassen. (Der sechste erscheint in diesem Sommer.) Die ersten sind z.B. (1) Zentrale schulrechtliche Fallbeispiele für die Praxis, (2) Zentrale Fragen zur Aufsichtspflicht und zu Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen, (3) Zentrale Fragen zur Leistungsbeurteilung und zum Prüfungsrecht, (4) Gerichtsentscheidungen und juristische Texte besser verstehen.
Jeder Teil ist 70-80 Seiten dünn und kostet jeweils €20,-. Ich hab zwei davon ‚mal in der Bücherei zu Rate gezogen, gekauft hab ich sie nicht.
Sie bilden vielleicht so etwas wie den Mittelweg zwischen Hoeggs lockeren Stil bzw. auf die häufigen Fälle schauendem Vorgehen sowie Avenarius‘ sehr umfangreichem Werk: Klar, verständlich, präzise und zum Durcharbeiten gedacht.
Für die ersten Bücher des „Grundkurs“ war Thomas Böhm verantwortlich. Er ist auch Herausgeber der Zeitschrift Schulrecht, die 6x im Jahr erscheint. Die hab ich noch nicht gelesen, scheint aber interessant zu sein. Probeabos habe ich keine entdeckt.

und sonst noch?
Die jeweils aktuelle Ausgabe des landeseigenen Schulgesetzes ist für Lehrer natürlich „Pflicht“. Sie ist meist umsonst als PDF oder gedruckt für ein paar Euro zu haben. Wer dann öfter ins Schulgesetz schaut oder einmal schauen muss, der kaufe sich einen Kommentar zum Schulgesetz sollte wissen, wo der aktuelle „Kommentar zum Schulgesetz“ im Regal steht. Hier werden durch fachkundige Autoren unbestimmte Rechtsbegriffe ausgelegt und durch aktuelle Urteile erläutert. Für andere Gesetze, Verordnungen, Erlasse gibt es Spezialseiten in den Ländern. => Der Bildungsserver listet hier alles auf.
Fortbildungen?! Klar – jedes Landesinstitut bietet Fortbildungen zum Thema an.
Wie sind Eure Erfahrungen? Bei mir war nach jeder Fortbildung stets das Gefühl, dass man noch viel mehr machen müsste, dass die Zeit immer so knapp war. (Auch wenn man zwei Tage am Stück zusammensaß.)
Und online?
Knifflige Rechtsfragen sollte man eher nicht online recherchieren. Wenn in irgendeinem Forum irgendjemand Unbekanntes aus irgendeinem Bundesland irgendetwas sagt, kann das ja vielleicht…

Aus meinem Bundesland (Schleswig-Holstein) weiß ich, dass Referendare und Lehrer online üben und sich testen lassen können: Schulrecht online üben. Gibt es das auch für andere Bundesländer?
Und bei ixsi gefunden: Lehrers Liebling, eine Seite auf der Günther Hoegg mit Kollegen unter anderem zum Thema Schulrecht schreibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.