2x Lernwirksam unterrichten (2 Rezensionen)

Gleich zwei aktuelle Bücher beschäftigen sich im Buchtitel mit dem Begriff des „lernwirksamen Unterrichtens“.
Im ersten Buch „Lernwirksam unterrichten – Im Schulalltag von der Lernforschung profitieren“ führen die Bildungsforscherin Elsbeth Stern und der Lehrer und Autor Michael Felten einen Dialog über Lernforschung und Schulalltag. Im zweiten versammeln sich vier Experten unter dem Titel „Warum fragt ihr nicht einfach uns? – Mit Schülerfeedback lernwirksam unterrichten“.
Interessanterweise nehme beide Bezug zur Hattie-Studie und dürften damit zu den ersten Büchern gehören.

Lehrer & Bildungsforscherin im Dialog

Unterteilt ist das Buch „Lernwirksam unterrichten“ in drei große Bereiche (Unterrichtsplanung, Lernklima, Zum Beispiel: Mathematik) und zwei Schlusskapitel (Keine Angst vor Elternarbeit, …und nicht vor der Obrigkeit!). 100 Seiten für die ersten beiden Bereiche, 50 Seiten für den Rest.
Michael Felten, der momentan in der ZEIT die interessante Kolumne „Schulfrage“ schreibt, berichtet in 17 Texten aus dem Lehreralltag. Jeder dieser Texte beginnt mit der Überschrift „Der Lehrer berichtet“. Im Anschluss „nimmt die Lernforscherin Stellung“. Aus dieser abwechselnden Sicht entwickelt sich ein kurzweiliges Buch.

Als Lehrer fühlt man sich bei manchen Berichten ertappt oder nickt, weil man ähnliches erlebt hat. Reizvoll ist, dass Michael Felten oft eine klare und begründete Meinung hat, sich aber auch an manchen Stellen zutraut zu zeigen, wo er unsicher war und wo er selbst hinzugelernt hat. Das macht es leicht, seinen Worten zu folgen. In seinen Texten sind auch kleine Tipps und Details verborgen, die es auszuprobieren lohnt.  Am Ende des Buches war ich schon recht beeindruckt bin, was alles so extrem gut läuft in seinem Unterricht. Zu jedem dieser Berichte nimmt dann Elsbeth Stern aus theoretischer Sicht, d.h. aus Sicht der Forschung Stellung. Im Großen und Ganzen sind beide Autoren einer Meinung, d.h. Sterns Abschnitte enden meist im Tenor „M. Felten hat also Recht, wenn er sagt…“ Elsbeth Stern fokussiert oder spitzt Feltens Aussagen zu, präzisiert diese und liefert wissenschaftliche Belege für einzelne Thesen.
Von der Hattie-Studie scheinen die beiden Autoren am Ende des Buches etwas überrascht worden zu sein. Erst im letzten Satz (Michael Felten) bzw. im letzten Abschnitt (Elsbeth Stern) wird Hattie kurz zitiert. In E. Sterns Abschnitt bemerkenswerterweise einmal sogar falsch als „visible teaching“-Buch.
Etwas unbefriedigend ist der Umgang mit Verweisen ins Internet: an unterschiedlichen Stellen steht der Text „[link]“, der anzeigen soll, dass auf einer Internetseite ein vertiefender Link zu finden sein soll. Die Links von M. Felten sind versteckt auf seiner eigenen Seite zu finden, während auf der im Buch genannten Seite der Lernforscherin nur ihr Lebenslauf und überhaupt keine Verweise aufgelistet werden. Nach einigen Klicks gibt es dann doch eine unvollständige (und zu Felten z.T. redundante) Liste. Diese undurchdachte Konzept der externen Linkliste wird im Buch zudem nicht durchgehalten, denn an manchen Stellen sind Intertnetadressen direkt eingefügt.

So bleibt am Ende ein kleiner Nachgeschmack, mit dem man als Leser dieses anregende und kurzweilige Buch unnötig hinterfragt. Denn beide Autoren schreiben klar und verständlich. „Lernwirksam unterrichten“ ist ein Buch für Lehrerinnen und Lehrer, die gerne über Praxis und Theorie guten Unterrichtens reflektieren und sich von zwei bekannten Experten anregen lassen wollen. Das 150 Seiten dicke Buch ist im Cornelsen Verlag erschienen und kostet €19,95.

Schülerfeedback theoretisch und praktisch

Das zweite Buch „Warum fragt ihr nicht einfach uns? – Mit Schüler-Feedback lernwirksam unterrichten“ von Regine Berger, Dietlinde Granzer, Wolfgang Looss und Sebastian Waack beginnt mit großen Vorschusslorbeeren: einem euphorischen Vorwort von John Hattie:

„Warum fragt ihr nicht einfach uns?“ ist ein starkes Buch, das hilft, die Geheimnisse rum um die Leistung des Feedbacks zu entwirren. (…) Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird lautet: „Wo fange ich an, um Feedback zu verstehen?“ Jetzt habe ich die Antwort – lesen Sie dieses Buch.

Das Buch hat drei Bereiche: Bedeutung und Wirkung von Schüler-Feedback, Schüler-Feedback in der Praxis, Praktische Mittel.
– und insgesamt 9 Kapitel:

1. Feedback, systemisch: Vom Steuern, vom Lernen und von den Mäusen
2. Schüler-Feedback als Lernmotor – von Hattie lernen
3. (Schüler-)Feedback konkret
4. Schüler-Feedback als Teil der Schulentwicklung
5. Wie sieht die Welt in 100 Jahren aus?
6. Ich esse nur, was mir schmeckt!
7. Wie lernst du am besten?
8. Wenn die Neuen kommen…!
9. Arbeiten mit Online-Verfahren

Der erste Teil (Kapitel 1-4) liefert den theoretischen Hintergrund. Und (im wahrscheinlich erstem Buch auf dem Markt) wird hier explizit in einem schulpraktischen Buch auf Hattie Bezug genommen. Was im ersten Teil steht, liest sich flott weg: Mit einem sehr kurzen Blick aufs Schüler-Feedback aus Sicht der Systemtheorie (Kap 1) geht’s los. Dann auf 10 Seiten wird dieses bei Hattie so wesentliche Thema „übersetzt“ und sein Feedback-Ansatz (4 Feedback-Ebenen und „feed up – feed back – feed forward“) erläutert. Im dritten Kapitel wird es dann noch etwas handfester, ehe im vierten Kapitel der große Bogen zur Schulentwicklung geschlagen wird. Hier geht es trotz der wiederkehrenden „Fokus:…“-Überschriften leider erst am Ende wirklich fokussiert um das Schülerfeedback.

Wie jetzt Schülerfeedback konkret in einer Schule eingeführt werden kann, wird in den folgenden vier Kapiteln an Beispielen vorgestellt: „Klima&Klimaschutz“, „Gesundheit&Ernährung“, „Lernen“ und „Die Neuen kommen“. In den vier Kapiteln gibt es Checklisten, Beispieltexte und Arbeitsblätter. Alles gut strukturiert und gerade im Wechsel zwischen allgemeiner Sicht und Beispielen auch durch den Wechsel der Perspektiven (Schulleitung, Lehrkraft, Eltern) erhellend.
Die in diesem Abschnitt vorgestellten Fragebögen und Arbeitsblätter sollten auf der Internetseite abrufbar sein, aber auch in diesem Buch ist es so wie oben: nicht viel (i.S. von „gar nichts“) gefunden…

Im letzten Abschnitt rundet Sebastian Waack das Buch dann mit Grundlagen fürs Arbeiten mit Onlineverfahren und neun Beispielen ab. Von diesem Autor ist übrigens auch die dreisprachige Hattie-Seite visible-learning.org.
Alle Kapitel sind auch separat zu lesen und beziehen sich nur gelegentlich aufeinander. So kann der Leser oder die Leserin aus dem Buch die Rosinen herauspicken. Für mich waren das die Kapitel 1, 2 und der allgemeine Teil von Kapitel 5. Das Buch ist im Beltz-Verlag erschienen, hat 144 Seiten und kostet 19,95€ im Buchhandel oder bei Amazon.

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