iPads in einer Grundschulklasse

Durch beruflichen Zufall traf ich auf Henriette Nishiura, die an einer Kieler Schule Klassenlehrerin einer dritte Klasse ist. Wir kamen per E-Mail nebenbei über Apple-Computer ins Gespräch und sie erzählte mir, dass sie in ihrer Klasse derzeit einen und mit Glück bald drei iPads einsetzt. Das ist natürlich viel weniger als eine ganze iPad-Klasse. Aber immer noch interessant genug, um nachzuschauen, ob die Arbeit anders als mit Laptops oder großen Computern ist. Ein echter Grund für einen kurzen Besuch!


Gestern noch mailte mir die Klasse ein “Hallo”-Video, was mich sehr freute.

Heute durfte ich live dabei sein und zuschauen, wie sich die iPads in die Arbeit einfügen.
Das Thema, das die Schüler bearbeiten, heißt “Wale”. In der Klasse sind wesentlich mehr Jungen als Mädchen und (ja, es sind nur Vorurteile… “daher”) die Schüler/innen finden es ziemlich spannend.
In der aktuellen Arbeitsphase sind einige Arbeitsblätter auszufüllen.

Auf geht’s!
Nach einem kurzen realen “Hallo” durfte ich mich unter die arbeitenden Schüler mischen. Eine Gruppe (4 oder 5?) war über einen Film gebeugt und schaute sich einen Pottwal-Film an.

Andere standen vor einem großen Plakat, einige zeichneten einen Wal ab, ein paar flüsterten, einige schrieben. Das andere iPad (heute waren nur zwei im Einsatz) wurde von zwei Kindern benutzt. Streit darum, gab es während der ganzen Zeit nicht.
In der Mitte des Raums lagen ein paar Bücher zum Thema, die übrigens auch konsultiert wurden.

Ein paar aufgeschnappte Zitate oder Antworten auf meine Fragen:

“Zum Suchen muss man im Safari immer oben rechts klicken. Haben wir so gelernt.”
“In Google liest man erst die blauen Texte und das was drunter steht. Dann weiß man, wo man weiterlesen kann.”
“Voll groß, so ein Wal! Guck mal, den Film hier, den hat uns unsere Lehrerin auch gezeigt. Den hab ich grad wieder gefunden.”
“Philipp! Hör mal auf die Texte so klein zu zoomen.”
“Woran erkennst du, dass der Film auf Englisch ist?” – “Hier, am Text … guck!”
“Wir gucken meist auf Youtube oder Google eben.”
“Man wechselt sich eben ab! Das iPad kann jeder mal nutzen.”
“Oh, da kann man eine Frage stellen! Achnee, ist doch nur so eine Einkaufsseite.” (gemeint war cosmiq.de, wo es viele Werbebanner gab.)

Die Kinder wechselten sich relativ sinnvoll ab. Sie setzten die Geräte funktional ein. Einmal gab es eine große Traube von circa 8 Kindern um ein iPad, wodurch es lauter wurde. (Ein spannender Filmschnipsel?)
Drei Kinder gingen zwischendurch auf den Flur, um dort den Ton eines Films besser (“lauter”) hören zu können.
Und besonders interessant fand ich diese zwei hier.

Die beiden suchten gemeinsam unterschiedliche Informationen über Feinde des Wals. Auf der gefundenen Seite (Bookmark?) schienen beide das jeweils Gesuchte gefunden zu haben. Gleichzeitig lesen ging allerdings nicht. Also durfte erst der eine, dann die andere “wischen” (scrollen), um die Angaben herauszulesen.

Ich stellte Henriette anschließend noch ein paar Fragen.
Ist in Deiner Klasse one-to-one oder sogar many-to-one ein Denkmodell für die Zukunft? (vgl. Blogbeitrag von Felix Schaumburg)
“One-to-one ist Luxus und many-to-one gar nicht notwendig. In der Grundschule jedenfalls. So wie jetzt funktioniert es bereits sinnvoll und gut.”
Wie sah die Einführung aus?
“Wir saßen hier im Halbkreis, hatten einen (leider sehr schlappen) Beamer und mein Laptop. Und dann hab ich die Grundlagen erklärt. Die iPads werden seitdem genutzt, wenn es sich inhaltlich anbietet. Ich habe alles eingerichtet und es gibt ein Schul-WLAN.“

Magst du verraten, ob es Privatgeräte sind?
“Sicher! Das eine durfte ich für die Klasse auf Schulkosten anschaffen. Im Schrank gibt’s auch noch ein iPad-Keyboard. Das, wo man das iPad so reinstecken kann. Das andere ist ein privates, das ich heute mitgebracht hatte, damit du an verschiedenen Stellen in der Klasse etwas zum Zugucken hattest.
Wenn du viel Geld bekämst: welche Medien/Geräte würdest du noch kaufen und in der Klasse nutzen?
Keinesfalls ein Actionboard, das ein Kollege hat, weil ich es so unästhetisch finde 😉
Ich denke, ich hätte gern einen halben Klassensatz iPads (wäre aber fast zu viel…), einen fest installierten WLAN/BT-Beamer und eine elektr. Leinwand (die ich demnächst ja auch hoffentlich bekomme), um mit unspektakulärem Aufwand mit allen Kindern etwas gucken oder lesen zu können.
Worin siehst du die Funktion der iPads in dieser Einheit? Sind es Filme als Anreicherung der Lerninhalte? Oder willst du aktuellere Texte zur Verfügung stellen? Ist es auch Belohnung?
“Genau die Dinge, die du in den Fragen formulierst. Es ist wohl jetzt noch eine Art Belohnung für die Kinder, weil das Medium iPad für sie noch recht neu ist, aber das sollte es später keinesfalls sein. Es stellt aber eine unheimliche Motivation dar, weil das Internet so viel abwechslungsreiche Dinge zu einem Thema bietet. In unserem Fall z.B. mit Musik unterlegte interessante Filme über Wale, Walgesänge, Informationen in Form von Texten, Tests, Knobelfragen, Steckbriefe über Wale, Fotos von Walen, die gezoomt und abgezeichnet werden können usw. usw.

Übrigens haben die Kinder seit sie lesen können, häufig als Hausaufgabe auf, im Internet etwas nachzulesen. Dann aber grundsätzlich auf der Seite http://www.blinde-kuh.de, auf der sie sich daher schon ziemlich sicher bewegen.”

Ein Fazit?
Eine Stunde war viel zu kurz! Die Klasse war sehr freundlich, ruhig und arbeitete im Großen und Ganzen konzentriert. “Mein Gefühl” sagt mir, dass sie sich jetzt nicht für mich oder wegen meiner Anwesenheit besonders ins Zeug gelegt hätten. Die iPads besaßen keinen Sensationswert, sondern wurden gelassen herumgereicht. Da die Geräte klein und handlich sind, werden sie anders, leichter angefasst und benutzt als Laptops. Sie sind einfach da. Als sei das normal.
Die Verfügbarkeit ist schneller, der Zugang fließender als an einem größeren Gerät.

Vielen Dank für diesen Einblick, liebe 3c.

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