Arbeitsbelastung reduzieren

28. September 2017 § 0 Kommentare

Nach so kurzer Zeit als Schulleiter steht es mir völlig fern, einen Artikel über „die 10 besten Tipps zur Entlastung als Schulleiter“ oder „wie ich als Schulleiter wieder durchatmen konnte, nachdem ich DAS HIER ausprobiert habe“ zu schreiben.
Daher sammle ich schlicht einige erste Ideen und Gedanken.
Meine wichtigste Erkenntnis zuerst:

Das zu Erinnernde: auslagern.

ich nutze ganz konsequent eine To-Do-App, um alle Dinge, an die ich mich erinnern muss, nicht im Kopf haben zu müssen. Das ist die größte Erleichterung. Ich habe vor Jahren schon Remember The Milk gewählt. Läuft super, zuverlässig. (Apps, Webversion) Das gute Stück ist jeden Cent wert. Da ich wirklich alles reinschreibe, muss ich morgens, mittags oder vor dem Schlafen nicht noch an irgendetwas denken, da alles da drin sind: zu führende Gespräche, zu schreibende Mails, alle (auch kleinste) Aufgaben, abseitige Ideen, nachzuschauende Links, Privates, … Da ich weiß, dass ich alles aufschreibe, muss ich mir nur wenig wirklich merken.

„First Line of Defense“?

Ein Beamter im NRW-Ministerium erzähle mir vor Jahren von seiner „first line of defense“. Mir gefiel der Ausdruck zunächst. Ich dachte an Center und Guards im American Football, die die anrollenden Angriffe abfedern. Die alles wegblocken und dahinter kann in Ruhe die kreative Arbeit gemacht werden. Aber das Bild stimmt überhaupt nicht. Es sind nämlich keine Angreifer: Es sind Menschen, die ein für sie wichtiges Anliegen haben, die etwas geklärt, besprochen haben wollen. Für die muss in der Schule Zeit sein. Dennoch: es ist nicht alles möglich. Daher hat diese erste Linie zunächst eine koordinierende Funktion: wer muss sofort durchlaufen, wer wird an eine andere Person (eine richtige, d.h. passende!) verwiesen. In dieser Gruppe sind das Sekretariat, die Koordinatoren und die Klassenlehrer.  Vor allem: das (bei mir großartige) Sekretariat. Sie planen, denken mit und helfen bei allen Anfragen. Hier ist viel Gespür gefordert: was kann bzw. muss der Klassenlehrer entscheiden, was die Stufenleitung, was der Schulleiter? und ich wiederum vertraue darauf, dass sie das freundlich, nicht abweisend, verbindlich, sachlich kompetent machen. (An dieser Stelle sei kurz gesagt: Selbst freundlichste Abwerbeversuche werden mit einem Verweis auf astronomische Ablösesummen abgelehnt.)

Delegation

Finde ich im System Schule nicht leicht. Denn ich sehe, was die Kolleg/innen alles leisten. Wie herausfordernd Unterricht sein kann. Bei uns an der Schule hat jeder Kollege neben dem Unterricht wenigstens eine kleine Aufgabe, die er oder sie auch noch macht. Aber ist nicht der Unterrichtsalltag bei einer vollen Stelle (oder auch bei einer Teilzeitstelle mit Familie oder einem anderen Leben neben der Schule) Aufgabe genug? Letztendlich würde jedoch eine Schule nicht funktionieren, wenn nicht alle ein kleines Stück zum sonstigen Gelingen beitragen.
Es gibt so viel, das delegiert werden kann oder könnte: Wettbewerbe, Schulgestaltung, Entwicklung, Kooperationen, Aufführungen, undundund…

Nein.

Das ist schwer und notwendig. Nein sagen zu können.
[An dieser Stelle müsste ich ein Buch schreiben über die Bedeutung, die Kraft, die Schwierigkeit, die Notwendigkeit, die Last, die Leichtigkeit, die Aufgabe, in der Schule begründet „Nein“ zu sagen. Zu bestimmten externen und internen Ideen, Aufgaben, Projekten, Anfragen.]

Gesprächspartner finden

ich halte nichts von dem Spruch mancher SL-Kollegen, dass man „als Schulleiter sehr einsam“ sei. Wenn ich mich nicht verstecke,  können mich auch andere finden, dann kann ich auch andere Menschen treffen. Das sind Kollegen, Kollegen aus dem Schulleitungsteam, andere Schulleiter, Freunde außerhalb von Schule. Und wenn ich es mit dem Grundsatz „keine Gespräche über nicht anwesende Dritte“ ernst meine, dann kann ich sehr wohl auch über Schule und meine Gedanken reden, mich in diesem Sinne entlasten.

Undsoweiter?

Prioritäten, Pläne, Dokumentenverwaltung, Kalender, Prozesse optimieren, Arbeitsroutinen (Rhythmisierungen), E-Mail-Arbeit,… Alles kann man besser machen! Aber das Streben nach Perfektion schafft an unterschiedlichen Stellen Aggression. Also hilft zuweilen auch

sich täglich darin zu üben, leidenschaftlich in der Sache und doch gelassen zu bleiben.

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