Damals wurde ich überrumpelt. Frisch nach meinem Referendariat ging an meiner damaligen Schule ein Kollege in Pension, dessen Stelle ich übernahm. Mit den Worten: “Jeder macht hier bei uns etwas. Da Herr X jetzt nicht mehr da ist, kannst du ja nicht nur seine Stelle, sondern auch seinen Job übernehmen. Ist auch nicht viel. Du bist ab sofort Medienbeauftragter.”
So hatte ich meine erste Aufgabe, die nicht zum Unterricht gehörte.
Frechheit? Notwendigkeit? Kleines Übel, um kommunales Geld zu sparen? Gemeinschaft stiftender Anteil an den gesamten schulischen Tätigkeiten? … Diese sogenannten Verwaltungstätigkeiten sind immer wieder Anlass, um sich als Lehrer darüber aufzuregen.
Warum eigentlich?
Auf twitter hatte ich einen kurzen Austausch mit Herrn Larbig, der “Erstellen von Listen mit Praktikumsdaten (Praktikumsplatz, Betreuer), Erstellen/Versenden von Elterninformationen, Kopieraufträge…” als die nervigen Verwaltungstätigkeiten nannte und sich in einzwei Tweets über Schulverwaltungssoftware aufregte.
Wie war denn das bei mir?
Nach knapp zwei Wochen im Job als “Medienbeauftragter” wusste ich, dass dieser genau eine Kerntätigkeit hat: sich um die Overhead-Projektoren der Schule und speziell den Austausch der Glühlampen darin zu kümmern. Das war mein Einstieg in die sog. Verwaltungstätigkeiten. Ich fand sie so sinnlos, ich habe das als so grundtief sinnlos empfunden. Denn Glühlampen wechseln, das konnte jeder. Wenn die Geräte einmal wirklich kaputt waren, dann konnte ich als öffentlich bekennender Elektrik-Tölpel sowieso nichts von Hand reparieren und hab’s dann einmal im Halbjahr in die Werkstatt gebracht.
Als nächstes kam dann, den Raumplan für den Elternsprechtag zu erstellen. Fragen wir mal anders herum: Was sind die ungeliebten Verwaltungstätigkeiten? Sind das alle Tätigkeiten, die nicht unmittelbar mit Unterricht zusammenhängen? – Also dann nur Unterricht vor- und nachbereiten, Unterricht durchführen. Klassenarbeiten. Gehört dazu. Konferenzen? Ja, “muss wohl sein”. Kopieren? Für meinen Unterricht: ja. Für andere oder gar Material, das vom Ministerium angeordnet wurde? …Undsoweiter-undsoweiter. Ich ging damals im Kopf die “sonstigen Tätigkeiten” durch und ertappte mich bei einem hässlichen Gedanken und schämte mich zugleich vor mir selbst: ich war mir zu wichtig für kleinere Tätigkeiten in der Schule.
Es ist unsere Schule
Meine Sicht habe ich geändert, als ich Klassenlehrer war und nachmittags die wundervollen, stets gut gelaunten Reinigungsfrauen kennenlernte. Ich erfuhr vom Schulleiter, wie die Zeit berechnet wurde, die ihnen pro Raum, pro Quadratmeter zugeteilt wird. (Der Kampf um das günstigste Angebot ist knallhart.) Und als dann eine Schülerin mit Absicht Müll auf den Boden warf: “Dafür sind ja die Putzfrauen da. Ich muss das nicht aufheben.” -
da wurde mir klar, dass es unsere Schule ist, zu der alle dazu gehören. Alle, die die Schule betreten oder in irgendeiner Form dazu beitragen, dass sie so ist, wie sie ist. Jeder darin hat unterschiedliche Aufgaben, die alle miteinander verbunden sind. Aufgaben, die mit Respekt voreinander verteilt werden. Jeder leistet einen Teil zum gelingenden Ganzen. Diese Teile müssen transparent gemacht werden. Manche dieser sonstigen Tätigkeiten werden unter der Hand oder an unterschiedlcihen Stellen vergeben. Einige nehmen dabei richtig viel auf sich, andere machen nur den Medienbeauftragen… Eine Aufstellung, eine Auflistung mag helfen, das Bewusstsein hierfür zu wecken.
Diese Tätigkeiten begegnen sich, berühren sich. Da ist der Schüler, der darauf achtet, den Klassenraum nicht unötig zu verschmutzen. Die ministerielle Verwaltung, die sorgsam mit schulischen Abfragen an die Schulleitung umgeht. Die Eltern, die sich auf Konferenzen vorbereiten. Wir sind gemeinsam hier – und wir sollten versuchen, an den Berührungspunkten es dem jeweils anderen leicht zu machen.
Über welchen Zeitaufwand reden wir denn hier? Hört sich nach marginalen Aufwänden an.
@Stephan: Das hängt davon ab, was man macht und wie viele Dinge “nebenbei” anfallen.